Zankapfel Feuerwehr

Der nicht enden wollende Streit um den neuen Standort

Die zu Beginn des vorigen Jahrhunderts errichtete Stahnsdorfer Feuerwache erwies sich auf die Dauer als zu klein. Da traf es sich Anfang der 90er Jahre recht gut, dass der Kfz-Meister Rainer Breitenwischer einen Standort für sein neues Mitsubishi-Autohaus suchte. Dies gelang über einen Grundstückstausch. Breitenwischer konnte am Bäkedamm investieren und Stahnsdorf die Autowerkstatt am Dorfplatz für seine Freiwillige Feuerwehr nutzen. Die alte Feuerwache und ein angrenzendes Grundstück mit einem nicht mehr benötigten Verwaltungsgebäude wurden an das auf öffentliche Beleuchtung speziaisierte Unternehmen Manfred Unger GmbH verkauft.

Im Laufe der Jahre stellte man fest: auch die alte Werkstatt war etwas zu knapp. Trotz Ausstemmens von Fahrspuren in den Betonestrich blieb für das neue große Drehleiterfahrzeug kaum eine Handbreit Platz nach oben, zur Rückwand und zum Tor. Hinzu kamen Probleme mit ungebetenen Untermietern. Ratten knusperten gelegentlich an der Einsatzbekleidung. Einen toten Nager fand ein Feuerwehrmann gar in seinem Stiefel.

Eine Arbeitsgruppe, die sich mit elf möglichen Standorten für einen Neubau beschäftigt hatte, kam zu dem Schluss, dass eigentlich nur ein Umbau des bestehenden Gebäudes oder aber eine Fläche in der Annastraße neben dem Gemeindezentrum in Frage kämen. Denn kurz vor der Jahrtausendwende war die Gemeindeverwaltung in einen von den Russen freigezogenen und umgebauten Kasernenblock eingezogen. Die Freifläche entstand durch den Abriss eines benachbarten unsanierten Blocks sowie einiger kleinerer Nebengebäude. So fasste denn im Dezember 2013 eine durch die Vertreter von Bürger für Bürger und SPD zustande gekommene Mehrheit den Beschluss, hier eine Feuerwache zu errichten und eine zweite für die dicht nebeneinander liegenden Ortsteile Schenkenhorst und Sputendorf.

Doch dieser Beschluss, den der Vorsitzende des Fördervereins der örtlichen Feuerwehr Michael Kortz im damals vierteljährlich erscheindenden örtlichen SPD-Blatt “Gütergotzer Landbote” mu begeisternden Worten begrüßte, wurde nach der Kommunalwahl im Mai 2014 durch einen Schwenk der neu als Gemeidevertreter gewählten Genossen gekippt. Die aus den Wahlen gestärkt hervorgegangene CDU und Wir Vier hatten aus ihrer Ablehnung des Standortes in der Annastraße ohnehin keinen Hehl gemacht. Mit diesem Filetstück könne man etwas besseres anfangen, als es für die popelige Feuerwehr zu verschwenden.

Im Stillen hatte man bereits mit dem Eigentümer des gegenüber der Einmündung der Annastraße in den Güterfelder Damm liegenden Waldes verhandelt. Dieser hatte seine Preisvorstellungen etwas revidiert. Über Einzelheiten sollte allerdings Stillschweigen gewahrt bleiben. Vorgesehen war zunächst ein geringerer Preis. Erst bei Umwandlung in Bauland solle eine Nachzahlung erfolgen, so wurde in einer Gemeindevertretersitzung Anfang 2016 erklärt. Das aktuelle Quartier am Dorfplatz verglich Kortz mit einem alten Gebiss, welches man auch mit neuen Goldzähnen nicht wirklich verbessern könne. Regina Schwarz (BfB/Neue) entgegnete: “Wir hatten einen Standort und könnten jetzt Richtfest feiern. Die Ratten würden bald tot im Dorfteich schwimmen.” Sie warnte vor den Begehrlichkeiten anderer Eigentümer, die ebenfalls versuchen könnten, ihren Wald profitabel zu vermarkten. Die beiden Mtstreiter von B 90/Grüne – Thomas Michel und Bettina Schmidt-Faber – sprachen sich konsequenterweise ohnehin gegen eine Waldumwandlung aus. Auch Bürgermeister Bernd Albers (BfB) verwies noch einmal auf den möglichen Baufortschritt, hätte man den Beschluss vom Dezember 2013 umgesetzt. Auf Grund der Prüfung von Naturschutzbelangen werde es mindestens zweieinhalb Jahre dauern, bis man am Güterfelder Damm Baurecht habe. Wie zu erwarten, erwies sich der neue Platz als nicht umsetzbar. Die Kommunalaufsicht störte sich an dem vorgesehenen Flächenkauf, da die Gemeinde schließlich ein geeignetes Grundstück habe. Und auch die Forstbehörde spielte nicht mit.

Im August konnte die neue Feuerwache am östlichen Rand von Schenkenhorst feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden; nur 300 Meter vom benachbarten Sputendorf entfernt. Die frühere Schenkenhorster Ortsvorsteherin Karin Steingräber erinnerte daran, dass sie bereits auf einer Amtssitzung in Güterfelde vor 20 Jahren auf die desolate Lage hingewiesen und eine neue Wache angemahnt habe. Überlegungen, die Wehren der Ortsteile zu schließen und den Brandschutz generell an Stahnsdorf zu übertragen, habe sich der damalige Bürgermeister und Amtsdirektor Gerhard Enser entgegen gestellt. Doch auf Grund der damals prekären Stahnsdorfer Finanzlage dauerte es noch mehrere Jahre, bis im April 2015 mit dem Bau des neuen Feuerwehrdomizils begonnen werden konnte. Mit einiger Wehmut dachte manch einer der Kameraden daran, dass in Stahnsdorf selbst der erste Spatenstich noch in einer ungewissen Zukunft lag.

Bürgermeister Albers startete einen neuen Versuch. Als er im Frühjahr 2017 den Auftrages der Gemeindevertretung umsetzen sollte, ein Konzept für die Bebauung der gemeindeeigenen Fläche an der Annastraße erarbeiten zu lassen, fanden im Entwurf des Gebäudes direkt an der Annastraße nicht nur die neue Bibliothek und ein Bürgersaal mit dem gleichen Fassungsvermögen wie die Aula der Zille-Schule Platz, sondern auch die Feuerwehr mit Fahrzeughalle, Umkleideräumen, Werkstatt und Schulungsräumen. Dahinter sollte ein Dienstleistungs- und Gewerbezentrum enstehen. In einigen mehrgeschossigen Punkthäusern wäre Raum für 50 bis 100 barrierefreie Wohnungen gewesen. Aber auch für diese Idee gab es keine Mehrheit. Wen wuderte es, dass die Stahnsdorfer Feuerwehr beschloss, sich auf ihre Kernaufgabe zu beschränken und jede weitere ehrenamtliche Aktivität einzustellen.

Im Oktober 2017 machte ein neuer Vorschlag die Runde. Ein Areal zwischen der Annastraße und dem Netto-Supermarkt. Doch dazu hätte auch ein der Gemeinde gehörendes Einfamilienhaus weichen müssen. Der dort seit 30 Jahren mit seiner Familie wohnende Mieter machte denn auch in der Einwohnerfragestunde seinem Herzen Luft. Man werde sich nicht so einfach vertreiben lassen.

Die Fortsetzungs-Sitzung Anfang November musste allerdings auf Grund mehrerer Absagen verschoben werden. Die verbleibenden Gemeindevertreter nutzten jedoch diesen Abend, um eine Lösung zu finden. Diese wurde im Februar 2018 zunächst im Bauausschuss und zwei Tage später in der Gemeindevertetung beraten. Es war ein mittlerweise mit Bäumen bewachsenes Stück früheren Ackerlandes nördlich des Schwarzen Pfuhls. Zwar fand sich in namentlicher Abstimmung dafür eine breite Mehrheit, jedoch hatten es die von den fünf Ablehnenden vorgebrachten Argumente in sich: Da das Grundstück Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes Parforceheide sei, müsse es zuvor aus diesem Status entlassen werden. Und das dauere mindestens zwei Jahre.

Es war keine große Überraschung, als Anfang 2019 auch dieser Standort am Veto der Naturschutzbehörde scheiterte. Nun wollen CDU, SPD, Wir Vier und Linke am 2. Mai in einem gemeinsamen Antrag das Grundstück in der Annastraße für eine dritte Grundschule reservieren lassen. Thomas Michel reagierte jedoch bereits in der Sitzung des Bau-, Verkehrs- und Umweltausschusses im Märzdarauf mit dem Hinweis, dass die Größe dieses Areals für beide Vorhaben ausreichend sei. Man darf gespannt sein, wie es nun weitergeht.

Vom Wert der Feuerwehr

Die Höhe der zugesagten Spenden für den Wiederaufbau der durch einen Brand erheblich beschädigten Kathedrale Notre-Dame ist echt beeindruckend. Nach meinem bisherigen Kenntnisstand 750 Millionen Euro. Ohne dies in irgendeiner Weise abwerten zu wollen – was hätte wohl der Bau einer Feuerwache in unmittelbarer Nähe gekostet? Denn das Feuer konnte erst ein derartiges Ausmaß erreichen, weil sich die Feuerwehr eine Stunde lang mühsam durch die verstopften Pariser Straßen quälen musste.

Von solch prekären Verhältnissen ist Stahnsdorf noch weit entfernt, dennoch bieten die Behinderungen durch die aktuellen Baumaßnahmen an der K 6960 und im Bereich der neuen L 77 einen ersten Vorgeschmack auf das, was folgen könnte, wenn man den Begehrlichkeiten zu immer weiterem Wachtum nachgibt. Eben dazu könnte eine Inanspruchnahme der beiden anvisierten Naturflächen oder anderer beitragen. Ein guter Zweck findet sich immer als Begründung. Es wurde auch schon mal in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit neuer Wohnbebauung – teilweise in seniorengerechter Ausführung – erwähnt. Doch dafür stehen noch andere Flächen zur Verfügung, die für die Feuerwehr aus verschiedenen Gründen weniger geeignet wären. Allerdings nicht in unbegrenzter Menge. Na und? Ohne eine vernünftige Regulierung wird es ohnehin nicht gehen. Brandenburg sowie das übrige Deutschland bieten allemal ausreichend Wohnflächen, die – zum großen Teil bereits bebaut – wie sauer Bier angeboten werden. Diese abgehängten Regionen bedürfen einer Strukturpolitik, die diese Bezeichnung verdient. Denn auch in den Ballungsräumen wie der Berliner Hauptstadtregion ist es allein mit dem Wohnungsbau nicht getan. Es bedarf auch der dazu gehörenden Infrastruktur. Die Verkehrswege sind zum großen Teil an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Raum für neue Straßen gibt es nur bedingt. Stau und Parkplatznot sind an der Tagesordnung. Belastend für die Pendler auf ihrem Weg zur Arbeit und höchst fatal für Rettungsdienste, die schnell an ihren Einsatzort gelangen müssen.

Die Kameraden der Stahnsdorfer Feuerwehr versehen ihren wichtigen Dienst für die Gemeinschaft freiwillig – wie es schon der Name sagt. Es ist für sie nicht ganz einfach, dies mit ihrem Broterwerb und den familiären Belangen zu vereinbaren. Niemand kann eigentlich wollen, dass sie an mangelnder Wertschätzung resignieren. Die Stahnsdorfer sollten bei ihrer Wahlentscheidung am 26. Mai bedenken, wem sie den bisherigen Eiertanz zu verdanken haben und wer gewillt ist, eine baldige Entscheidung für eine neue Feuerwache herbeizuführen.

 

Herbert Weiß

1. Mai 2019

Author: herbertweissinfogmxde

Gebürtiger Stahnsdorfer - am südöstlichen Ende der gemeinsamen Stadtgrenze von Berlin und Potsdam

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