Elektromobilität – eine Chance, aber keine Patentlösung

Ein Motorengeräusch. Kommt jetzt die Post oder sind es die Hausmeister? Ein Blick aus dem Fenster und man weiß Bescheid. Im September vorigen Jahres kündigte sich jedoch das gelbe Auto oft mit einem leisen Brummen an. Ein VW Caddy-blue-e-motion. Zehn Testfahrzeuge waren für die Deutsche Post DHL auf Achse. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Für den Kurzstreckenbetrieb – von einem Halt bis zum nächsten sind es in der Regel nur einige Dutzend Meter – ist der Elektroantrieb optimal. Zudem geräuscharm und abgasfrei.

Wird man also künftig wieder genauer hinsehen müssen, weil auch die Hausmeister, weitere Dienstleister oder Privatleute auf Elektromobilität setzen? Es würde nicht nur die Umweltqualität vor Ort verbessern, sondern wäre auch eine Möglichkeit, die weltweite CO2-Belastung unserer Atmosphäre zu bremsen. Ein weiteres Problem ist der weltweite Durst nach Öl. Der wachsenden Nachfrage steht ein zunächst noch stagnierendes Angebot gegenüber. Denn Peak Oil, der Gipfelpunkt der globalen Erdölförderung, ist offenbar erreicht. In den kommenden Jahrzehnten geht dieser kostbare Rohstoff allmählich zur Neige. Die Mobilität von Menschen und Frachtgütern wird sich unweigerlich verteuern. Das Abheben mit dem Flieger wird für viele zum unbezahlbaren Luxus. Zwar lassen sich Benzin und Diesel durch nachwachsende Rohstoffe ersetzen. Jedoch geht die Produktion von Äthanol, Rapsdiesel, Biogas und Palmöl oft zu Lasten der Nahrungsmittelproduktion, trägt zur Vernichtung von Naturwäldern bei oder belastet die Umwelt in anderer Weise.

Aber auch mit dem Elektroantrieb lässt sich der automobile Straßenverkehr kaum im gewohnten Umfang aufrecht erhalten. Der dafür notwendige Strom hat seinen Preis. Die für leistungsfähige Speicher benötigten Rohstoffe sind begrenzt. Wir sind offenbar an den vom Club of Rome vorhergesagten Grenzen des Wachstums angelangt. Doch es ist wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Alle sehen, dass der Monarch nackt ist und fast keiner traut sich, es zu sagen. Dieser Mut ist jedoch nötiger als jemals zuvor.

Sollten nicht die knappen Ressourcen besser in Strukturen der kurzen Wege investiert werden, anstatt neue Straßen zu bauen? So ließe sich bereits ein großer Teil des Verkehrsaufkommens zu Fuß und mit dem Fahrrad bewältigen. Für die verbleibenden größeren Entfernungen bedarf es des Ausbaus öffentlicher Verkehrsmittel, insbesondere der Bahn. Ob man sich in unserer Region zunächst für die Wiederherstellung der Friedhofsbahn, die Verlängerung von Teltow aus, den kompletten Ringschluss, die Stammbahn oder die Regiotram entscheidet, bedarf sorgfältiger Abwägung. Ratsam wäre es jedoch, nicht zu lange abzuwarten und sich nicht die jeweils anderen Optionen zu verbauen.

(Veröffentlicht im Gütergotzer Landboten 2012/März)

Advertisements

Author: herbertweissinfogmxde

Gebürtiger Stahnsdorfer - am südöstlichen Ende der gemeinsamen Stadtgrenze von Berlin und Potsdam

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s